Uigurische Sprache
Uigurisch ist eine sehr alte Sprache, die zu einem der türkischen Dialekte, der Ural–Altai Sprachfamilie, gehört. Sie hat identische Sprachwurzeln wie Türkisch, Aserbaidschanisch, Usbekisch, Kasachisch, Kirgisisch, Turkmenisch, Tatarisch, Baschkurd, Tchuvasch, Jakutisch sowie anderen türkischen Sprachdialekten.
Die ursprüngliche uigurische Sprache wurde mit dem Orhun Uyghur Alphabet bekannt – eine Schrift, die von der Sogdischen Schrift inspiriert und abgeleitet wurde. Vom 13. bis zum 20. Jahrhundert wurde Uigurisch in einer Version der arabischen Schrift, die als „Tchagatay“ Alphabet bekannt ist, geschrieben. Während des 20. Jahrhunderts wurde die Sprache, je nach dem Gebiet der uigurischen Bewohner, in eigenen Versionen der lateinischen oder kyrillischen Alphabete geschrieben. Jedoch wurde das lateinische Alphabet unpopulär und seit 1985 wird die arabische Schrift als die offizielle Schrift für Uigurisch in Ostturkestan wieder verwendet. Die kyrillische Version wird noch immer von den Uiguren in Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan und anderen post-sowjetischen Republiken verwendet.

Uigurische Literatur
Die frühen literarischen Werke waren meist Übersetzungen von buddhistischen und christlich-manichäistischen Religionsbüchern. Forscherexpeditionen brachten später zahlreiche Erzählungen, epische Texte und Poesie ans Licht, die ins Deutsche, Russische, Englische und Türkische übersetzt wurden. Selbst nach der Islamisierung hielten die Uiguren an ihrer kulturellen Dominanz in Zentralasien fest. Während dieser Epoche machten in aller Welt uigurische Wissenschaftler und Gelehrte von sich reden. Sie schrieben unzählige wertvolle Bücher, von denen 130 später entdeckt und eingehend studiert wurden. Einige der berühmtesten sind „Kutadgu Bilik“ von Yusuf Has Hajip, „Divani Lugat-it Turk“ von Mahmud Kaschgari und „Atabetul Hakayik“ von Achmed Yukneki. Das 1069-1070 von Yusuf Has Hajip geschriebene Werk ist eine einzigartige Quelle des gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens der Uiguren zu jener Zeit.
Auch Kaschgaris Buch „Divani Lugat-it Turk“, das ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlicht wurde, gibt einen guten Einblick in das Leben der Uiguren dieser Zeit. In dem Werk werden die unterschiedlichen Dialekte der turkstämmigen Völker, gesellschaftliche Entwicklungen, Erziehung, Sitten, Gebräuche und Siedlungsgebiete beschrieben. Der Autor dieses enzyklopädischen Nachschlagewerkes durchwanderte die Siedlungsräume aller Turkvölker, erkundete ihre Lebensweisen und sammelte so umfassendes Material für sein Werk.
Das Buch „Divani Lugat-it Turk“ ist heute eine der wichtigsten Quellen der Turkologie.
Architektur, Kunst, Musik und Druckkunst
Auch in der Architektur, Kunst und Musik blicken die Uiguren auf eine reiche Geschichte zurück. Gelehrte, Archäologen und chinesische Gesandte die durch Ostturkestan reisten, brachten oft ihre hohe Wertschätzung und Achtung der uigurischen Kultur zum Ausdruck. Sie zeigten sich voller Bewunderung für die weiterentwickelte Zivilisation und Kultur. So schrieb der chinesische Abgesandte Wang Yen De während seiner Dienstzeit im Krakhoja-Uigur-Königreich (981-984) Folgendes in seinen Memoiren:
„Ich war von der ausgedehnten Zivilisation im Uigurenreich beeindruckt. Die Schönheit der Tempel, Klöster, Wandgemälde, Statuen, Türme, Gärten, Wohnstätten und der Paläste im ganzen Königreich kann nicht beschrieben werden. Die Uiguren sind sehr geschickt im Kunsthandwerk von Gold und Silber, Vasen und Keramik. Manche sagen, dass nur Gott dieses Talent ihnen zukommen ließ.“
Albert Grünwedel schrieb:
„Turfan ist zweifelsohne eine vergessene asiatische Stadt von außergewöhnlichem Interesse. Ihre Größe ist bemerkenswert: die innere, heilige Stadt, bestehend aus Tempel und Palast, misst 7.400 Fuß am weitest entfernten Punkt der noch vorhandenen Mauern. Hunderte von terrassenförmig angelegten Tempeln und grandios gewölbten Gebäuden erstrecken sich über ein ausgedehntes Gebiet des Landes.“
Ferdinand de Sassure:
„Jene, welche die Sprache und die schriftliche Kultur des zentralasiatischen Raumes erhielten, waren die Uiguren.”
Albert von Lecoq beschrieb die Entwicklung im 7. und 8. Jahrhundert:
„Die Uiguren-Sprache und -Schrift trugen zur Bereicherung der Zivilisationen anderer Völker in Zentralasien bei. Im Vergleich zu den Europäern der damaligen Zeit waren die Uiguren weit fortschrittlicher entwickelt. Dokumente, die in Ostturkestan gefunden wurden, belegen, dass ein Uigurischer Bauer in der Lage war, einen Vertrag in rechtskräftiger Terminologie aufzusetzen. Wie viele europäische Bauern hätten das in der Zeit gekonnt? Dies zeigt die Ausdehnung der damaligen Uigurischen Zivilisation.“
Laszlo Rasonyi:
„Die Uiguren wussten, wie man Bücher druckt, Jahrhunderte bevor Gutenberg seine Druckerpresse erfand.“
Wolfram Eberhard:
„Im Mittelalter wurden Poetik, Literatur, Theater, Musik und Malerei der Chinesen erheblich von den Uiguren beeinflusst.“
Der russische Gelehrte Pantusov schreibt, dass die Uiguren ihre eigenen Musikinstrumente bauten. Es gab 62 verschiedene Instrumente und jeder Haushalt besaß eine Dutar.
Ansehen, Kultur und Macht der Uiguren dominierten in Zentralasien mehr als 1000 Jahre. Der Machtverlust der Uiguren und rasche Untergang eines Teils ihrer Zivilisation begann mit der Invasion durch die Mandschus im 19. Jahrhundert. Die chinesischen Nationalisten setzten diese Fremdherrschaft fort und ebneten den Weg für die heute regierenden Kommunisten. Angesichts ihrer extremen Sinisierungspolitik müssen die Uiguren heute die vollständige Zerstörung ihrer Kultur und damit ihrer Identität als Volk befürchten.
Uigurisches Museum in Urumqi
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Uigurisches Haus von Außen und Innen
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Buddhistische und Islamische Bauwerke in Turpan
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Yusuf Has-Hadschip Mausoleum
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Idqah Mosche in Kaschgar
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Alter Stadttor in Yarkent und Straßen in der Altstadt
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Obwohl zahlreiche Objekte des uigurischen religiösen Erbes – sowohl Moscheen und als auch Schreine – auf Chinas eigenen nationalen und regionalen Listen des Kulturerbes aufgeführt sind und anerkannte Kulturerbestätten nach nationalem Recht geschützt werden sollten, erfolgte der gänzliche oder teilweise Abriss Tausender Moscheen und Schreine seit 2016 einschließlich solcher geschützter Stätten. Die Zerstörung dieser Stätten hatte nicht nur eine Säuberung der Landschaft von religiöser Architektur zum Ziel, sondern gehört auch zur politischen Linie, bewusst das uigurische kulturelle Gedächtnis auszulöschen.
Die Medizin der Uiguren
Ostturkestan ist Ursprungsort der uigurischen Medizin. Diese 2.500 Jahre alte Heilkunde vereint in sich sowohl Vorteile der arabischen und altgriechischen Medizin als auch Einflüsse der traditionellen chinesischen Medizin. Die uigurische Medizin zeichnet sich durch ihre einzigartige Grundtheorie und ihr reiches Wissen an klinischen Behandlungen aus.
Schon im fünften Jahrhundert vor Christus begannen die Vorfahren der Uiguren mit Naturheilverfahren einfache Krankheiten zu behandeln. Im Vergleich zur traditionellen Medizin der Chinesen und der Tibeter zeichnet sich die Medizin der Uiguren durch ihre einzigartigen Behandlungsideen und Ergebnisse bei der Vorbeugung von Krebs, Herzkreislauf- und Hautbeschwerden sowie Diabetes aus.
Häufig angewendet werden Naturprodukte wie Moschus, aromatische Kräuter wie der Blüte des Gewürznelkenbaums und Fructus Piperis Longi. Außerdem finden einige giftige Kräuter, wie z.B. die Brechnuss, der gemeine Stechapfel und Semen Hyoscyamin, Anwendung.
Uigurische Küche
Als Grundnahrungsmittel der uigurischen Ernährung und Küche sind an erster Stelle „Lebensmittel auf Mehl-Grundlage“ (un tamaq) zu nennen wie Nudeln, Knödel, Brot (nan) und Ähnliches.
Fleisch (insbesondere Lamm- oder Hammelfleisch) stellt ein weiteres Grundnahrungsmittel dar und dominiert die uigurische Ernährung stark. Für Uiguren bildet Fleisch einen wesentlichen und begehrten Bestandteil der täglichen Ernährung. Eine Mahlzeit ohne Fleisch wird bei ihnen als unvollständig und geschmacklich minderwertig angesehen. Während Forsyth (1873) für Kaschgar und Vámbéry (1885) für Ostturkestan darauf verwiesen, dass sowohl die Land- wie auch die Stadtbevölkerung angesichts der für alle Bevölkerungsschichten erschwinglichen Verfügbarkeit von Fleisch die Turkvölker Zentralasiens in ihrem Fleisch- und Fischkonsum bei weitem übertraf und darin den Europäern glich. Der tatsächliche Konsum von Fleisch in Ostturkestan variiert jedoch stark je nach Einkommen und ist auch vom Geschlecht abhängig. Die Menge des Fleischverzehrs stellt somit eine wichtige Aussage über die sozialen Klasse dar, und eine geringe Menge im Haushalt zum Verzehr zubereiteten Fleisches dient der Bevölkerung als negatives Anzeichen für den sozialen Status der Betroffenen. Dies stellt auch einen der Gründe dafür dar, dass uigurische Gastgeber anstreben, ihre Gäste mit einer Auswahl an „prestigeträchtigen Lebensmitteln“, insbesondere Fleischgerichten, zufriedenzustellen. Zudem existiert laut Smith Finley (2013) unter Uiguren ein Stereotyp, nachdem Han-Chinesen zu Hause selten Fleisch zu sich nehmen, mit der Implikation, dass der leichtere und „weiblichere“ Körperbau von Han-Männern, verglichen mit dem stärkeren, breiteren Körperbau von uigurischen Männern, das Ergebnis von geringerem Fleischkonsums sei.
Des Weiteren werden, insbesondere im Sommer, auch große Mengen an Obst verzehrt, während das größtenteils von Han-Chinesen eingeführte Gemüse, dessen Namen noch oftmals erkennbar chinesischen Ursprungs sind, in weitaus geringeren Mengen zu sich genommen wird.
Im Gegensatz zu den Han-Chinesen in Ostturkestan, die als Getränk grünen Tee bevorzugen, wird von Uiguren an erster Stelle schwarzer Tee getrunken, den sie oftmals mit Tchay dora „heilen“, einer Gewürzmischung, der auch therapeutische Eigenschaften zugeschrieben werden.
Zu den „typisch“ uigurischen Gerichten werden Polo, Läghman und Kawab gezählt.
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Obwohl zahlreiche Objekte des uigurischen religiösen Erbes – sowohl Moscheen und als auch Schreine – auf Chinas eigenen nationalen und regionalen Listen des Kulturerbes aufgeführt sind und anerkannte Kulturerbestätten nach nationalem Recht geschützt werden sollten, erfolgte der gänzliche oder teilweise Abriss Tausender Moscheen und Schreine seit 2016 einschließlich solcher geschützter Stätten. Die Zerstörung dieser Stätten hatte nicht nur eine Säuberung der Landschaft von religiöser Architektur zum Ziel, sondern gehört auch zur politischen Linie, bewusst das uigurische kulturelle Gedächtnis auszulöschen.
Die Medizin der Uiguren
Ostturkestan ist Ursprungsort der uigurischen Medizin. Diese 2.500 Jahre alte Heilkunde vereint in sich sowohl Vorteile der arabischen und altgriechischen Medizin als auch Einflüsse der traditionellen chinesischen Medizin. Die uigurische Medizin zeichnet sich durch ihre einzigartige Grundtheorie und ihr reiches Wissen an klinischen Behandlungen aus.
Schon im fünften Jahrhundert vor Christus begannen die Vorfahren der Uiguren mit Naturheilverfahren einfache Krankheiten zu behandeln. Im Vergleich zur traditionellen Medizin der Chinesen und der Tibeter zeichnet sich die Medizin der Uiguren durch ihre einzigartigen Behandlungsideen und Ergebnisse bei der Vorbeugung von Krebs, Herzkreislauf- und Hautbeschwerden sowie Diabetes aus.
Häufig angewendet werden Naturprodukte wie Moschus, aromatische Kräuter wie der Blüte des Gewürznelkenbaums und Fructus Piperis Longi. Außerdem finden einige giftige Kräuter, wie z.B. die Brechnuss, der gemeine Stechapfel und Semen Hyoscyamin, Anwendung.
Als Grundnahrungsmittel der uigurischen Ernährung und Küche sind an erster Stelle „Lebensmittel auf Mehl-Grundlage“ (un tamaq) zu nennen wie Nudeln, Knödel, Brot (nan) und Ähnliches.
Fleisch (insbesondere Lamm- oder Hammelfleisch) stellt ein weiteres Grundnahrungsmittel dar und dominiert die uigurische Ernährung stark. Für Uiguren bildet Fleisch einen wesentlichen und begehrten Bestandteil der täglichen Ernährung. Eine Mahlzeit ohne Fleisch wird bei ihnen als unvollständig und geschmacklich minderwertig angesehen. Während Forsyth (1873) für Kaschgar und Vámbéry (1885) für Ostturkestan darauf verwiesen, dass sowohl die Land- wie auch die Stadtbevölkerung angesichts der für alle Bevölkerungsschichten erschwinglichen Verfügbarkeit von Fleisch die Turkvölker Zentralasiens in ihrem Fleisch- und Fischkonsum bei weitem übertraf und darin den Europäern glich. Der tatsächliche Konsum von Fleisch in Ostturkestan variiert jedoch stark je nach Einkommen und ist auch vom Geschlecht abhängig. Die Menge des Fleischverzehrs stellt somit eine wichtige Aussage über die sozialen Klasse dar, und eine geringe Menge im Haushalt zum Verzehr zubereiteten Fleisches dient der Bevölkerung als negatives Anzeichen für den sozialen Status der Betroffenen. Dies stellt auch einen der Gründe dafür dar, dass uigurische Gastgeber anstreben, ihre Gäste mit einer Auswahl an „prestigeträchtigen Lebensmitteln“, insbesondere Fleischgerichten, zufriedenzustellen. Zudem existiert laut Smith Finley (2013) unter Uiguren ein Stereotyp, nachdem Han-Chinesen zu Hause selten Fleisch zu sich nehmen, mit der Implikation, dass der leichtere und „weiblichere“ Körperbau von Han-Männern, verglichen mit dem stärkeren, breiteren Körperbau von uigurischen Männern, das Ergebnis von geringerem Fleischkonsums sei.
Des Weiteren werden, insbesondere im Sommer, auch große Mengen an Obst verzehrt, während das größtenteils von Han-Chinesen eingeführte Gemüse, dessen Namen noch oftmals erkennbar chinesischen Ursprungs sind, in weitaus geringeren Mengen zu sich genommen wird.
Im Gegensatz zu den Han-Chinesen in Ostturkestan, die als Getränk grünen Tee bevorzugen, wird von Uiguren an erster Stelle schwarzer Tee getrunken, den sie oftmals mit Tchay dora „heilen“, einer Gewürzmischung, der auch therapeutische Eigenschaften zugeschrieben werden.
Zu den „typisch“ uigurischen Gerichten werden Polo, Läghman und Kawab gezählt.
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Weitere uigurische Gerichte, die alle Nudeln enthalten, die mit Hammelfleisch und weitaus geringeren Mengen an Gemüse kombiniert werden, sind chöchürä, qoldama, suyuq ash (oder suyqash; eine Nudelsuppe), ügrä, manta (fleischgefüllte Teigtaschen), samsa, gösh nan, pörä, xoshän und andere.
Weitere uigurische Gerichte, die alle Nudeln enthalten, die mit Hammelfleisch und weitaus geringeren Mengen an Gemüse kombiniert werden, sind chöchürä, qoldama, suyuq ash (oder suyqash; eine Nudelsuppe), ügrä, manta (fleischgefüllte Teigtaschen), samsa, gösh nan, pörä, xoshän und andere.
