Nestlé kappt die Beziehungen mit einer Firma in der Uigurenregion Xinjiang. Rieter will lediglich Abklärungen treffen. Doch sei dies vor Ort gar nicht möglich, sagt eine Nichtregierungsorganisation.
Sie werden aus Dörfern abgeholt, in Massenunterkünfte gebracht und zur Arbeit auf Baumwollfeldern gezwungen. Das ist die Realität vieler Uiguren in der westchinesischen Region Xinjiang. Mindestens 570’000 Menschen arbeiten unter Zwang auf den Baumwollfeldern, schätzt der renommierte Xinjiang-Forscher Adrian Zenz in einer Mitte Dezember veröffentlichten Studie.
Die Zwangsarbeit ist nur eine Methode, wie das chinesische Regime die Uiguren unterdrückt. Die andere ist das Internieren von Uiguren in Umerziehungslagern. Gemäss den Ende 2019 veröffentlichten China Cables hält Peking je nach Schätzung eine bis drei Millionen Uiguren in solchen Lagern fest.
Die Enthüllungen haben international zu einem Umdenken geführt. Die USA haben im Laufe des vergangenen Jahres mehrere Unternehmen in Xinjiang auf eine schwarze Liste gesetzt. Seit dem 13. Januar gilt zudem ein Einfuhrverbot für Tomaten und Baumwolle aus Xinjiang. Ebenso ist es verboten, Produkte zu importieren, die andernorts mit Rohstoffen aus der Uigurenregion hergestellt werden.
Und die Schweiz? China ist nach der Europäischen Union und den USA der drittwichtigste Handelspartner weltweit. Auch in Xinjiang sind hiesige Firmen tätig. Einige haben aus den Enthüllungen Konsequenzen gezogen. Andere geschäften weiter
Nestlé: Keine Produkte mehr aus Xinjiang
Erstmals bestätigt der Nahrungsmittelgigant Nestlé, dass er Tomatenkonzentrat von der in Xinjiang ansässigen staatlichen Firma Cofco Tunhe bezogen hat. Damit ist es jetzt vorbei: «Wir haben vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, keine weiteren Produkte aus Xinjiang zu beziehen», sagt ein Nestlé-Sprecher. Den Entscheid will er nicht weiter kommentieren. Wie eine Quelle bestätigt, hat Nestlé bereits im zweiten Quartal 2020 die Geschäftsbeziehungen zu Cofco Tunhe gekappt. Der Entscheid sei wohl auch eine direkte Reaktion auf die Enthüllungen in den China Cables gewesen, sagt die Quelle.
Noch in Xinjiang tätig ist Rieter. Gemäss der eigenen Website liefert der Winterthurer Textilmaschinenbauer Spinnmaschinen an die beiden Textilunternehmen Aksu Huafu Textiles Co und Changji Esquel Textile Co. Beide Firmen haben öffentlich dementiert, uigurische Zwangsarbeiter einzusetzen. Allerdings kommt ein Bericht des Australian Strategic Policy Institute zum gegenteiligen Schluss, genauso wie die US-Regierung: Sie hat die Unternehmen auf die schwarze Liste gesetzt. weiter lesen
