„Everybody Is Gone“ lässt Besucher die Methoden von Überwachung und Gehirnwäsche am eigenen Leib spüren – ohne China beim Namen zu nennen.
In einem großen Raum steht eine Frau in gebügeltem gelben Hemd und schwarzem Rock, am Arm eine rosafarbene Binde. Herablassend blickt sie die sieben Männer und Frauen an, die sie angewiesen hat, sich vor ihr aufzureihen. „Singt mir nach!“, blafft sie und intoniert im Gestus einer Gefängniswärterin, die in ihren Insassen ungezogene Kinder sieht, ex-akt ar-ti-ku-lie-rend: „Wir sind stolz und stark, geloben, treu zu sein! / Einigkeit – wir sind alle eins!“
Ein paar Meter weiter wird ein Mann zurechtgewiesen. „Teilnehmer, erfüllen Sie die Aufgabe!“, bellt ein Uniformierter. Sie besteht darin, die Wörter auf den Karteikarten aufzusagen, die der Beamte dem Besucher vors Gesicht hält: „modern“, „Fortschritt“, „Mutterland“. Dann noch mal. Und wieder. Schneller. Noch mal. Als der Mann bei einem Begriff zu lange braucht, schneidet der Offizielle ihm das Wort ab. „Teilnehmer, das ist keine schwierige Aufgabe!“ weiter lesen
