In der angeblich autonomen Region im Westen Chinas herrscht Unterdrückung. Präsident Xi Jinping will die Region von „Bevölkerungen minderer Qualität“ säubern. Zeugenaussagen dokumentieren die Praktiken.
Philipp Mattheis, ehemaliger Chinakorrespondent der Wirtschaftswoche und Ostasienkorrespondent des Magazins Stern, hat ein hochaktuelles Buch verfasst. Darin analysiert er die Politik der chinesischen Regierung gegenüber Uiguren und Kasachen sowie die Geschehnisse in den Umerziehungslagern in der Autonomen Region Xinjiang. Er zeigt auf, wie Xinjiang als „Pekings Tor nach Eurasien“ in die Politik der „neuen Seidenstraße“ sowie in globale Wirtschaftsströme eingebettet und daher von immenser geostrategischer Bedeutung für die chinesische Regierung ist. Gleichzeitig gibt er die persönlichen Schilderungen von uigurischen und kasachischen Lagerüberlebenden wieder. So schafft es Mattheis, das individuelle Leid in den Internierungslagern nicht aus den Augen zu verlieren und gleichzeitig zu erklären, warum die internationale Gemeinschaft sich bislang mit konkreten Konsequenzen für die Verursacher dieses Leids, die chinesische Regierung, zurückgehalten hat.
Mattheis war seit 2014 nicht mehr in Xinjiang und verweist ausdrücklich darauf, dass sein Buch die Recherchen von Forschern wie Adrian Zenz und Mareike Ohlberg und Journalisten wie Harald Maass und Christoph Giesen zusammenfasst. Besonders wichtig sind die Augenzeugenberichte sechs Lagerüberlebender, die 2021 vor dem unabhängigen Uyghur Tribunal aussagten. Zumret Dawut, Abdusalam Muhammad, Mihrigul Tursun, Qelbinur Sidik, Gulbahar Jelilova und Gulbahar Haitiwaji berichten über ständige Überwachung durch Kameras, unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten, Redeverbot. Sie waren dauernder Gehirnwäsche ausgesetzt, mussten täglich Lobsprüche auf Xi Jinping und die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) gebetsmühlenartig wiederholen. Vor allem aber wurden sie massiv gefoltert und häufig vergewaltigt. International sollte besonders der Fall Gulbahar Jelilovas mehr Besorgnis erregen. Jelilova ist kasachische Staatsbürgerin, dennoch wurde sie für über ein Jahr interniert und gefoltert. Fälle wie ihrer zeigen, dass es sich keineswegs um eine rein innerchinesische Angelegenheit handelt, wie die chinesische Regierung betont. weiter lesen
