Weil Bilder aus den Lagern fehlen, reagiert die Welt empathielos auf die brutale Unterdrückung der Uiguren durch den chinesischen Staat. Das ist unverzeihlich.

„Um zu wissen, muss man sich ein Bild machen“, schreibt der französische Philosoph Georges Didi-Huberman in „Bilder trotz allem“, und da beginnt sie vermutlich schon, die prekäre Abhängigkeit von Bildern. „Sich ein Bild machen“, die Formulierung verweist auf die in unsere Sprache eingelassene Vorstellung, wir bräuchten Bilder, um etwas zu verstehen, mehr noch: um ganz sicher zu sein, um zu wissen, dass etwas tatsächlich geschehen ist. Was nicht gesehen werden kann, das setzt sich dem Zweifel aus. Es mag andere Quellen der Information geben, schriftliche Dokumente, Aussagen von Zeuginnen und Zeugen, unabhängig und distanziert oder betroffen und involviert – aber noch immer, aller technischen Manipulierbarkeit zum Trotz, haftet Bildern eine besondere Autorität an. Als verliehen sie einer Erzählung oder Erinnerung das Siegel der Evidenz.

Vielleicht erklärt der Umkehrschluss, der Mangel an Bildern, die unverzeihliche Empathielosigkeit mit den Uiguren in China, von deren brutaler Entrechtung und massenhaften Internierung die Öffentlichkeit seit Jahren weiß – und die doch politisch reaktionsarm bleibt, als ließe sich von dem Grauen kein Bild machen. Als seien all die Berichte von Überlebenden, die aus den von den Chinesen als „Berufsausbildungszentren“ etikettierten Gefangenenlagern entkommen konnten, als seien Satellitenaufnahmen von den riesigen Haftanlagen noch nicht genug. Als reiche es, von „unvorstellbarem Leid“ zu sprechen, um es auch sofort ins Feld des Unvorstellbaren zu versetzen, damit es niemanden bedrängt. weiter lesen

Von uynigma

Schreibe einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Entdecke mehr von UZDM - Uigurisches Zentrum für Demokratie und Menschen

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen